Interview – Max Hoyer

  1. Seit wann spielst du Tischfußball und was hat dich dazu motiviert, Zeit in den Sport zu investieren und besser zu werden?

Zum ersten Mal stand ich 2008 am Tisch. Man geht abends mit Freunden in eine Kneipe und es wird noch ein vierter Spieler benötigt. Das hat dann so viel Spaß gemacht, dass wir uns immer häufiger Kneipen mit Kickertischen gesucht haben. Von meinem damaligen Freundeskreis bin nur ich am Ball geblieben.

Warum mich Kickern so gefesselt hat, kann ich nicht so genau sagen. Es war wohl eine Mischung aus meinem sozialen Umfeld, der Tatsache, dass ich gerade mit Fußball aufgehört und sich noch kein neues Hobby etabliert hatte, und der Möglichkeit in einem Wettbewerb sehr schnell, sehr gut zu werden, obwohl man erst mit 18 Jahren anfängt zu trainieren. Kickern hatte sich zu der Zeit gerade in Leipzig etabliert. Der erste Lehmacher mit Hohlstangen war öffentlich zugänglich. Das gab der ganzen Sache wohl noch einen Schub.

  1. Von welchen Spielern hast du am meisten gelernt und was? Hast du Vorbilder beim Kickern, welche sind es und warum? Wer ist dein Lieblingsspieler und warum?

Als ich damals angefangen habe, gab es keinen wirklich guten Spieler in Leipzig und Umgebung. Die Basics wurden mir von zwei lokalen Spielern gezeigt. Von ihnen wurde mir auch ans Herz gelegt, Videos zu schauen. Da habe ich dann von nahezu jedem, der auf der P4P-Tour gut war, gelernt.

Später habe ich dann viel in den zwei Jahren gelernt, die ich mit Asimenia gespielt habe. 30 Jahre Spielerfahrung haben schon abgefärbt. Aus den Videos kannte ich bisher nur verschiedene Techniken, Spielweisen und auch die Stärken/Schwächen der Spieler.

Was mir bis dahin gefehlt hat, war die kämpferische Komponente. Präsenz am Tisch, Siegeswille, Killerinstinkt. Von den Ratschlägen, die mir Asimenia gegeben hat, konnte ich auf jeden Fall viel mitnehmen.

Am Anfang hat mich vor allen Dingen die Spielweise von Frank Brauns und Billy Pappas inspiriert. Später die Intensität eines Christian Szüle oder die Cleverness von Marc Balic. Schlussendlich bleibt man aber immer wieder bei Fred hängen. Er vereint all die Stärken der oben genannten Spieler. Deswegen wird er wohl immer das größte Vorbild sein.

  1. Was ist der größte Erfolg in deiner Tischfußballkarriere und warum? Was war deine härteste Niederlage und warum?

Der größte Erfolg war wohl mein erster OD Sieg 2014. Asimenia hatte damals glaube ich schon acht OD Finals gespielt und alle verloren. Dass wir den Fluch gemeinsam brechen konnten, war ein riesiger Moment.

Die härteste Niederlage habe ich wohl auch mit ihr erleben müssen. 2013 hatten wir Fred und Billy am Rande einer Niederlage. Doch beim Matchball wollte ich schräg schießen, traf den Ball gerade und Billy hat ihn gehalten. Den Rest kann man sich denken. Merke: Den Matchball immer mit einer technisch austrainierten Option beenden. (schmunzelt)

 

  1. Gibt es einen Bereich in deinem Spiel, der dir einen Vorteil gegenüber andere Spielern gibt, also eine Art individuelle Stärke oder Fähigkeit und welche ist es?

Ich bin Linkshänder. Die meisten Leute nennen das cheaten, aber meine Fünf ist dadurch relativ gut. Vor allem defensiv bekomme ich in der Regel immer einen Fuß in die Tür.

  1. Gibt es grundlegende Prinzipien für das offensive oder defensive Spiel? Wie würdest du diese beschreiben?

Prinzipiell sollte man immer versuchen, das eigene Offensivspiel durchziehen zu können. Das schafft man nur, wenn man austrainiert ist und lernt, die Defense zu lesen. Viele Spieler lassen sich zwar Zeit beim Passen und Schießen, aber gucken dabei nicht wirklich auf die gegnerischen Puppen. Wirkliche Schwachpunkte werden somit gar nicht erkannt.

Man sollte sich auch auf das beschränken, was man kann. Mir fällt zwar auf, dass der Pull-Kick jetzt als schnelle Option offen wäre. Wenn ich ihn allerdings nicht kann, sollte ich diese fixe Idee einfach sein lassen.

Defensiv gilt grundsätzlich: Ich will mich in den Weg stellen. Feldpass blocken heißt auch im Feld stehen und nicht irgendwo 1cm von der Bande entfernt. Außerdem baut gute Defense auf Erfahrung auf. Was spielt der Gegner gern, was kann er nicht, was spielt er, wenn er geblockt wurde. Informationen sammeln – jeden einzelnen Ball.

  1. Wie gehst du mit Drucksituationen um? Hast du eine bestimmte Strategie oder trainierst du für diese Situationen abseits vom Tisch?

Ich spiele selten den Spielstand. Ein 4:4 wird wie ein 0:0 gespielt. Der einzige Unterschied zu einem 0:0 ist für mich der Adrenalinausstoß. Den versuche ich durch Atmung und Timeouts runterzufahren oder richtig zu kanalisieren. „Ich will gewinnen“ ist da für mich ein gutes Mantra.

Richtiges Training gibt es dafür meiner Meinung nach nicht. Das lernt man durch Erfahrung.

Und schlussendlich geht das Leben auch nach einer Niederlage weiter. Das zu wissen, kann in solchen Situationen auch helfen.

  1. Wie bereitest du dich auf ein wichtiges Turnier vor? Wie sehen deine Trainingsroutinen aus?

Ich verbringe zu Hause etwas Zeit am Tisch. Gerade meine Drei muss wieder gefestigt werden, wenn ich längere Zeit nicht gespielt habe. Ansonsten versuche ich Einzel zu spielen, um mein Transitiongame zu reaktivieren und wir haben kleine Trainingsessions in Berlin, wo dann gedoppelt wird.

  1. Wie “findest” du deine Technik am Anfang eines Turniers, wie wärmst du dich auf etc.? Wie bleibst du bei längeren Pausen bereit für das nächste Spiel?

Am Anfang versuche ich, auf einem Tisch alle relevanten Pässe und Schüsse ca. 10x konzentriert und erfolgreich zu wiederholen. Danach nur noch kleine Pick-Up-Games auf anderen Tischen, weil sich ja jeder etwas anders spielt. Bei längeren Pausen gehe ich gern aufs Hotelzimmer, um mich zu entspannen. Die Ernährung spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Man muss sich regelmäßig Energie zuführen, aber niemals zu viel. Sonst wird man träge. Ich versuche, mich eiweißhaltig zu ernähren, da es gut sättigt. Von Dextro oder Red Bull bin ich kein Fan, dann lieber Nüsse.

  1. Was sind deiner Meinung nach die häufigsten Fehler auf dem Amateur-Level? Gibt es solche häufigen Fehler auch auf dem Master-/Elite-Level?

Es ist schwer, das zu verallgemeinern. Viele Spieler haben Bugs in ihrem Spiel, die man erkennt und dann einfach ausnutzt. Videos gucken und Gegner analysieren ist wahnsinnig wichtig. Viel wichtiger ist es, seine eigenen Schwächen zu erkennen. Eigene Muster zu durchbrechen und aktiv an den Schwächen zu arbeiten. Das gilt für technische und taktische Aspekte.

Der Unterschied vom Master/Elite zum Amateur ist: Die guten Spieler knackt man eher durch das Mindgame, weniger durch das Ausnutzen technischer Schwächen. Auch wenn wir wahnsinnig viele sehr gute Spieler in Deutschland haben, wird wohl kaum einer jemals in 10 Jahren aufgezählt werden, wenn es um die besten Spieler aller Zeiten geht.

Master- und Elitespieler haben in Deutschland ein ähnliches Problem. Die Spieler trainieren solange, bis sie auf der P4P-Tour oder DTFB Turnieren gewinnen und seitdem Fred nicht mehr da ist, ist das wesentlich leichter. Aber niemand trainiert wirklich bis zur Perfektion, dafür fehlt einfach die Motivation. Eine Lösung wäre meiner Ansicht nach ein sehr hohes Preisgeld. Das hat in den 70/80er Jahren in den USA auch schon funktioniert.

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