Wie begegnest du Drucksituationen?

Drucksituationen

Vielleicht kennt ihr die Situation, dass ihr ein ganzes Spiel lang richtig gut spielt. Ihr legt und schießt eine gute Quote und ihr seid nah an der oberen Grenze eures Leistungspotenzials. Doch dann kommt es zum entscheidenden Moment. Es steht im Entscheidungssatz 4:4 und ihr habt den Ball auf der 3. Plötzlich fühlt sich alles anders an als zuvor und euch schießen Gedanken in den Kopf, welche euch die ganze Zeit nicht gekommen sind.

Zum Beispiel habt ihr eine sehr gute Quote mit einem bestimmten Schuss, aber ihr glaubt, dass der Gegner genau mit diesem Schuss rechnet. Ihr probiert also etwas anderes und verschießt. Jetzt bemerkt ihr natürlich, dass ihr euch selbst ausgetrickst habt und verliert vielleicht für einen kurzen Moment die Nerven. Das kann der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage sein. Wenn ihr ein paar Mal eine solche Situation erlebt habt, dann kann sich sogar eine Angst vor solchen Drucksituationen entwickeln.

In diesem Zusammenhang stellen sich einige Fragen. Was passiert mit dem menschlichen Körper in Drucksituationen? Was kann man dagegen machen? Und wie sollte man solchen Situationen konkret begegnen?

Was passiert in Drucksituationen?

Woher dieses veränderte Verhalten kommt, ist relativ einfach zu erklären. Bei einem Matchball steht viel auf dem Spiel. Ein Fehler ist am kostspieligsten und eine gute Aktion wird überdurchschnittlich belohnt. Das ist uns in dem Moment natürlich auch bewusst und ihr habt Angst davor, einen Fehler zu machen. Dadurch wird die Durchblutung gefördert, der Adrenalinspiegel im Blut steigt und die Atemfrequenz wird erhöht. Der Körper beschränkt sich in der Folge mehr und mehr auf instinktive Handlungen.

Dies ist die verminderte Folge des menschlichen Überlebensinstinktes. Es geht zwar nicht wirklich um den Verlust des Lebens, aber es steht eben schon der Verlust oder Gewinn des Spiels im Raum. Aus diesem Grund verhält man sich in Drucksituationen meist anders, als im restlichen Verlauf des Spiels oder im Training. Bei Anspannung oder Druck versuchen viele Spieler intuitiv, die Situation so schnell wie möglich zu beenden und damit der Angst zu entkommen. Das führt häufig zu hastigen Entscheidungen und einer schlechten Ausführung beim Schuss oder Pass.

Was kann man dagegen machen?

Jetzt ist natürlich die Frage, was man dagegen tun kann? Man sollte versuchen, die natürliche Reaktion des Körpers abzufangen. Wenn man also bemerkt, dass ein besonderer Druck oder Anspannung auf einem lastet, ist es immer eine gute Idee, ein Timeout zu nehmen. Damit entzerrt man die angespannte Situation und verschafft sich wertvolle Zeit. Diese kann man auf verschiedene Art und Weise nutzen.

Wenn man so angespannt ist, dass die normalen Pässe und Schüsse nicht richtig funktionieren, dann hilft es oft schon ein paar Mal tief und langsam durch die Nase ein und durch den Mund wieder auszuatmen. Das klingt zunächst etwas homöopathisch. Warum sollte man auf einmal anfangen anders zu atmen als vorher? Das ist schnell erklärt. Die natürlich Reaktion des Körpers auf Stress ist, wie oben beschrieben, eine Durchblutungsförderung, die Ausschüttung verschiedener Hormone (insbesondere Adrenalin und Cortisol) und die Erhöhung der Atemfrequenz. In Wirklichkeit atmet man in diesem Moment also anders als gewöhnlich, ohne es zu merken. Dadurch kann die Sauerstoffversorgung und Anspannung der Muskeln sowie die Körperhaltung sich völlig verändern. Dies kann durchaus dazu führen, dass der sonst so sichere Schuss plötzlich nicht mehr kommt.

Eine andere Möglichkeit für das Timeout besteht darin, nochmal Revue passieren zu lassen, wodurch man im laufenden Satz eigentlich seine Tore geschossen hat und welche Schüsse der Gegner geblockt hat. Damit kann man verhindern, dass der Körper eine rein intuitive Entscheidung trifft und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit auf ein Tor.

Wie begegnet man Drucksituationen?

Dies führt zu der abschließenden Frage, wie man solchen Drucksituationen am besten begegnen sollte. Dabei hilft es selten, wenn man sich vor den unangenehmen Folgen einer falschen Entscheidung oder eines nicht korrekt ausgeführten Schusses fürchtet. Die Angst vor der Niederlage kann sich wie eine Gewichtsmanschette beim Schwimmen auswirken. Besser ist es, wenn man sich über die möglichen Konsequenzen zwar Gedanken macht, aber das Ergebnis nicht so sehr in den Vordergrund rückt.

In solchen Situationen versuche ich mich selbst nicht so sehr auf den Sieg als Ergebnis zu konzentrieren, sondern mich voll und ganz auf den Moment, die Entscheidung und die Ausführung zu konzentrieren. Das Ergebnis ist natürlich nicht egal, aber es sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, wie gut ihr gespielt habt, oder wie gut ihr als Spieler oder Mensch seid. Meiner Ansicht nach sollte man also versuchen, sich nicht mit dem Ergebnis zu identifizieren, sondern einfach die Drucksituation mit einer freudigen Anspannung annehmen. Ihr könnt in diesem Moment nur euer Bestes geben, das Ergebnis könnt ihr dadurch nicht immer beeinflussen. Wenn ihr dann wirklich verlieren solltet, dann ist es eben so. Das ist ein unweigerlicher Bestandteil des Spiels und gehört zu eurer Entwicklung dazu. In diesem Sinne passt auch ein Zitat von Michael Jordan:

“I’ve missed more than 9000 shots in my career.

I’ve lost almost 300 games.

26 times, I’ve been trusted to take the game winning shot and missed.

I’ve failed over and over and over again in my live.

And that is why I succeed.”

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