Interview – Felix Droese

Felix Droese ist aktuell einer der erfolgreichsten und besten deutschen Tischfußballspieler. Sowohl auf der P4P-Tour als auch auf ITSF Turnieren belegt er mit wechselnden Partnern und im Einzel regelmäßig die vorderen Plätze. Doch der Erfolg ist ihm trotz seiner erst 18 Jahre nicht zu Kopf gestiegen und er nimmt sich gern die Zeit, um über Tischfußball zu reden und sein Wissen zu teilen. Sein Spielverständnis ist unabhängig von seinem Alter herausragend und mit seiner analytischen Art und seinem kühlen Kopf in schwierigen Situationen hat er den meisten Spielern einiges Voraus. Allerdings scheint er sich auch durchaus seiner Verbesserungsmöglichkeiten bewusst zu sein. Wir dürfen also gespannt, sein wo seine Entwicklung noch hinführt und ich bin hocherfreut, dass er sich für ein Interview bereiterklärt hat.

  1. Seit wann spielst du Tischfußball und was hat dich dazu motiviert, Zeit in den Sport zu investieren und besser zu werden?

Ich spiele Tischfußball seit 2010, das heißt, seitdem ich 11 Jahre alt bin. Mein Vater und ich haben damals schon oft zu Hause Tischfußball hobbymäßig gespielt und das ständige Verlieren gegen ihn hat mich dazu motiviert, Tischfußball aktiv spielen zu wollen. Zufälligerweise hatte mein Vater zu diesem Zeitpunkt vom Krone-Dyp erfahren: Ein Dyp donnerstags in Darmstadt, wo regelmäßig Bundesligaspieler teilnehmen. Dadurch war es sehr einfach den Anschluss an das Tischkickern zu finden, vor allem, weil mein Vater mich dabei immer unterstützt hat.

  1. Von welchen Spielern hast du am meisten gelernt und was? Hast du Vorbilder beim Kickern, welche sind es und warum? Wer ist dein Lieblingsspieler und warum?

Als ich mit Tischfußball angefangen habe, bin ich immer mit meinem Vater – wie bereits erwähnt – zum Krone-Dyp nach Darmstadt gefahren. Nachdem er mir zu Hause schon „Basics“ wie Ballführung usw. beigebracht hatte, haben mir in Darmstadt Bundesligaspieler des TFC Klein-Zimmern (Alex Strübig, Ingo Trabert, etc.) sehr viel beigebracht. Im Anschluss sind wir in den Verein des TFC Staufenbergs eingetreten, wo wir auch sehr viel von erfahrenen Bundesligaspielern gelernt haben. Mittlerweile haben wir einen eigenen Verein (VfB Rodheim/Horloff), wo ich ebenfalls sehr viel von erfahrenen Spielern (Peer Nitzsche, Marco Thielmann, Niklaas Westermann etc.) lernen konnte.

Mein Vorbild beim Kickern ist Frederic Collignon. Beim Tischfußball hat jeder mal bessere aber auch schlechtere Tage. Fred jedoch scheint diese schlechten Tage nicht zu haben: egal auf welchem Tisch, ob Doppel oder Einzel, er schafft es immer, sich durchzusetzen, ist immer zu 100% am Tisch. Sein offensives Spiel ist ohnehin makellos, aber gerade durch seine defensive Leistung beeindruckt er mich immer wieder. Kein Spieler erkennt so schnell wie er die Schwächen seines Gegners, sodass er diese direkt ausnutzen kann.

  1. Was ist der größte Erfolg in deiner Tischfußballkarriere und warum? Was war deine härteste Niederlage und warum?

Der größte Erfolg meiner Tischfußballkarriere ist bisher der Sieg des Herren-Einzels der Leonhart-WS 2016 in Sankt Wendel, da ich niemals die Erwartung hatte, dieses Turnier zu gewinnen und mich dann aber von Spiel zu Spiel reinkämpfen konnte und plötzlich im Finale gegen Thomas Haas stand. Im Finale konnte ich dann nach 0:2 Rückstand das Spiel noch 3:2 für mich entscheiden.

Ebenso aber hatte ich meine “härteste” Niederlage gegen Thomas Haas im Achtelfinale auf der Kicker-WM 2017 in Hamburg. Nach 2:0 und 4:1 Führung für mich konnte er das Spiel drehen und gewann anschließend im fünften Satz. Die Niederlage war sehr frustrierend, da ich im Anschluss im Viertelfinale der WM gestanden hätte und gegen einen der besten Spieler aller Zeiten, nämlich Tony Spredeman, hätte spielen dürfen.

  1. Gibt es einen Bereich in deinem Spiel, der dir einen Vorteil gegenüber anderen Spielern gibt, also eine Art individuelle Stärke oder Fähigkeit und welche ist es?

Ich denke, meine “Stärke” in meinem Spiel ist meine linke Hand, da ich mich als Linkshänder beim Passen von 5 auf 3, sowie von 2 auf 5 am wohlsten fühle und deswegen eigentlich immer sehr viele Bälle im Sturm habe, sodass ich auch trotz schlechten Quoten auf der 3er-Reihe ein Spiel dennoch gewinnen kann.

  1. Gibt es grundlegende Prinzipien für das offensive oder defensive Spiel? Wie würdest du diese beschreiben?

Für das offensive Spiel gibt es verschiedene wichtige Aspekte. Zum einen kann es sehr hilfreich sein, wenn man seine Zeit auf den einzelnen Stangen unterschiedlich nutzt:

Wenn man sich vorher auf der 3er-Reihe immer zwischen 10 bis 15 Sekunden Zeit gelassen hat, stellt der Gegner sich auf diesen Zeitraum ein und ist dann oftmals von einer schnelleren Situation überrascht. Somit versucht man zu unterbinden, dass der Gegner sich an den „Rhytmus“ gewöhnen kann. Außerdem ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, dass man so gut wie möglich verschleiert, wann man schießen oder passen möchte. Dadurch kann man nämlich mit Täuschern oder ähnlichem dem Gegner entlocken, wie er auf einen Schuss reagieren würde und wo er einen hinlocken wollte.

Für das defensive Spiel ist es wichtig, dass man immer aufmerksam ist. Oft erwische ich mich selber dabei, wie ich in den ersten Sekunden, in denen mein Gegner den Ball hat, unaufmerksam bin und deswegen vermeidbare Tore kassiere.

Gerade im Einzel ist ein gutes Stellungsspiel vor allem wichtig. Nehmt euch immer die Zeit, vor euren offensiven Aktionen eure Deckung zu stellen. Somit kann man viele überflüssige Tore, die man dann gerne als „Eier“ abstempelt, vermeiden, zum Beispiel, wenn man durchlegt und der Gegner den Ball direkt ins Tor blockt, weil die eigene Verteidigung nicht auf der Seite steht, wo man durchlegt. Ein gutes defensives Stellungsspiel ist deswegen sehr wichtig und macht es dem Gegner deutlich schwerer, da er nur dann Tore schießen kann, wenn er quasi sauber durchlegt und reinschießt.

Generell sollte man versuchen, die Schwächen des Gegners kennenzulernen. Jeder kennt es, dass man beispielsweise lieber an die Bande durchlegt oder nach rechts schießt. Deswegen ist es als Verteidiger gut, wenn man das weiß und somit dem Gegner diese Optionen besonders erschwert. Den Gegner im Spiels kennenzulernen ist allerdings sehr schwer, weswegen es hilfreich ist, sich vorher Videos anzugucken oder auf dem Turnier dem kommenden Gegner zuzuschauen. Das ist mir auf der Garlando-WS bei Fred aufgefallen. Bevor er gegen mich gespielt hat, hat er bei einem Spiel von mir zugeschaut und direkt eine Schwäche von mir erkannt, weswegen ich im Spiel gegen ihn von Anfang an offensiv enorme Schwierigkeiten hatte und letzendlich auch das Spiel ohne den Hauch einer Chance verlor.

  1. Wie gehst du mit Drucksituationen um? Hast du eine bestimmte Strategie oder trainierst du für diese Situationen abseits vom Tisch?

In Drucksituation versuche ich mir bewusst zu machen (beispielsweise mit einem Time-Out), dass ich mich nicht aus meinem Spiel bringen lassen darf, das heißt, ich versuche jeden Ball kontrolliert und überlegt zu spielen, unabhängig vom Spielstand. Manchmal klappt das aber nicht und ich lasse mich zu schnellen, unüberlegten Aktionen verleiten, die im Nachhinein meistens bestraft werden. Aber auch dann heißt es, aus diesem Fehler zu lernen, um ihn das nächste Mal nicht zu wiederholen.

Ich denke auch, dass viel Turniererfahrung dem Spieler erleichtert mit Drucksituationen umzugehen. Wenn man ständig mit Drucksituationen konfrontiert wird, gewöhnt man sich daran und kann seine Nervosität ablegen. Wenn man es dann schafft, die Situation zu seinen Gunsten zu entscheiden, ist das mehr als gut – wenn nicht, muss man diese abhaken, akzeptieren und versuchen, es beim nächsten Versuch besser zu machen.

  1. Wie bereitest du dich auf ein wichtiges Turnier vor? Wie sehen deine Trainingsroutinen aus?

Ich denke, dass meine wichtigste Turniervorbereitung Turnierpraxis an sich ist. Wenn ich regelmäßig Turniere spiele, fühle ich mich bei meinem Spiel technisch wohl und muss eigentlich nicht noch zu Hause ständig trainieren. Dann reicht es mir, wenn ich mich 1-2 Tage vorher zu Hause nochmal an den Tisch stelle und meine wichtigsten Spielzüge durchgehe: das Passspielen von 2 auf 5, sowie 5 auf 3 und das Schießen auf der 3er-Reihe.

Wenn die Technik sitzt, finde ich es dann am hilfreichsten, wenn man mit einem Gegner auf demselben Niveau vor dem Turnier mehrere „Best of 5“ spielt, in denen man versucht, 100% motiviert und wettkampfähnlich zu spielen.

  1. Was sind deiner Meinung nach die häufigsten Fehler auf dem Amateur-Level? Gibt es solche häufigen Fehler auch auf dem Master-/Elite-Level?

Viele Spieler spielen technisch auf einem sehr hohen Niveau, schaffen es aber nicht konstant Leistung zu bringen, um dauerhaft auf einem Master-/Elite-Level zu spielen. Hin und wieder schlägt man einen Elite-Spieler, verliert im Anschluss aber gegen einen Spieler, bei dem man der Meinung ist, dass das nicht hätte passieren dürfen. Oft fragt man sich, wieso das so ist.

Generell ist es wichtig, in jedem Spiel das richtige Mindset zu haben. Man darf niemals seinen Gegner unterschätzen und muss vom ersten Ball an 110% geben. Wenn man gegen einen Elite-Spieler spielt, ist man motivierter, da man nichts zu verlieren hat, weil man nicht mit einem Sieg rechnet und somit “nur” gewinnen kann. Viel wichtiger ist es aber in den Spielen, bei denen man denkt, dass man sowieso gewinnt, von Anfang an 110% zu geben. Wichtig ist es auch, dass man sich nie aus der Ruhe bringen lässt, wenn es nicht läuft und sich dann im Laufe des Spiels immer mehr reinsteigert. Dadurch wird man immer unkonzentrierter und macht immer mehr technische Fehler, wird schneller, macht unüberlegte Aktionen etc.

Wenn man sich seiner Stärken bewusst ist, ist das gut, jedoch muss man auch immer die Leistung des Gegners anerkennen. Ich habe schon oft gesehen, dass Spieler sich über ihren Gegner aufregen, da sie denken, dass sie eigentlich überlegen sind und dann nicht verstehen können, warum sie verlieren. Ich finde, Rob Atha hat in seinem Interview sehr schön beschrieben, wie man damit umgehen sollte.

Außerdem ist es sehr wichtig, den Gegner während des Spiels kennen zu lernen und sich offensiv sowie defensiv an ihn anzupassen. Wenn alles läuft, ist das super und man versucht, das Spiel runterzuspielen. Wenn es nicht läuft, gibt es auf dem “Amateur-Level” jedoch selten ein Comeback. Deshalb sollte man versuchen, bereits während des Spiels auch mal ein Time-Out zu nehmen und sich bewusst zu machen, warum bestimmte offensive oder defensive Aktionen nicht geklappt haben. Das ist jedoch immer vom Gegner abhängig. Oft passiert es, dass ein Amateur-Spieler 1:0 oder 2:0 gegen einen Elite-Spieler führt und dann aber noch das Spiel verliert, eben weil der Elite-Spieler während des Spiels die Schwächen des Amateur-Spielers kennenlernt und diese ausnutzen kann, während das andersherum seltener der Fall ist.

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